Drei Mitglieder der afghanischen Olympiade-Delegation sollen nach ihrer Rückkehr aus Samarkand in Kabul unter Hausarrest stehen. Nach dem Bericht von El País wurden Khaiber Farazi, Habibullah Amini und Habibullah Guldoost am Montagabend, 28. September 2026, an der Grenze nach Afghanistan festgesetzt; ihre Pässe seien beschlagnahmt worden. Der vierte Rückkehrer, S. Wahabuddin Mirzaad, habe den Grenzübergang Hairatan ohne Folgen passiert. ChessBase griff den Bericht am 1. Oktober auf. [1][2]
Der Fall ist mehr als eine Randnotiz der 46. Schacholympiade. FIDE hatte bereits im Mai 2025 erklärt, die afghanische Regierung habe Schach wegen angeblicher Glücksspielbedenken suspendiert; der Weltverband kündigte damals Gespräche mit internationalen Sportorganisationen an. [3] Dass Afghanistan in Samarkand dennoch mit einem Open-Team und einem Frauen-Team antrat, geschah also vor einem politischen Risiko. Die Olympiade selbst lief vom 16. bis 27. September und war mit 208 Teams im Open und 192 im Frauenturnier als Rekordveranstaltung angekündigt. [4]
Sportlich war der afghanische Auftritt bemerkenswert. Das Open-Team holte 10 Matchpunkte. Farazi, Brett eins und Candidate Master, erzielte 6 Punkte aus 10 Partien; Amini kam auf 4,5/10, Mirzaad auf 4/8. Homayoun Mohtaat sorgte gleich in Runde eins für einen der afghanischen Glanzpunkte: Mit Elo 1928 besiegte er den usbekischen Großmeister Khumoyun Begmuratov, der mit 2514 gelistet war. [5]
Noch größer war die Symbolik des Frauen-Teams. Habibullah Guldoost führte als Kapitän eine Mannschaft, deren Spielerinnen nach El País im Ausland leben. In Chess-Results sind Setareh Azizi, Nooreen Gouhari, Gunesh Belqis, Zainab Farahmand und Hasina Akbar gelistet; vier Spielerinnen kamen zum Einsatz. Gouhari erzielte 4,5 Punkte aus 11 Partien, Belqis 4/11, Azizi 3,5/11. Für ein Team, das in der Startliste durchweg ohne klassische Elo geführt wurde, sind sieben Matchpunkte sportlich kein bloßer Begleitumstand, sondern ein sichtbares Lebenszeichen. [1][6]
Welche Folgen den drei Männern drohen, ist offen. El País berichtet von der Sorge vor körperlicher Bestrafung; eine offizielle Entscheidung oder bestätigte Anklage liegt nicht vor. Ebenso unklar bleibt, ob die Frauen-Teilnahme, die Nähe von Männern und Frauen im Olympiadesaal oder allein das Spielen unter afghanischer Flagge als Vorwurf dient. Die Partien der Olympiade sind über Chess-Results und den Lichess-Broadcast nachvollziehbar. [5][6][7]
Damit steht der Weltschachbund vor einer humanitären Probe: Kann er Spieler schützen, die ihr Land bei einem anerkannten Weltturnier vertreten haben? Bis belastbare offizielle Erklärungen vorliegen, bleibt der Fall vor allem eines: ein Warnsignal, wie gefährlich Schach dort werden kann, wo ein Brett politisch gelesen wird.

