Deutschland hat die 46. FIDE-Schacholympiade in Samarkand mit Bronze im offenen Wettbewerb beendet – die erste deutsche Olympiade-Mannschaftsmedaille seit 2000. In der Schlussrunde besiegte die Auswahl von Bundestrainer Jan Gustafsson die Niederlande mit 2,5:1,5 und landete hinter Gastgeber Usbekistan und Indien auf Rang drei. FIDE bestätigte dieselbe Medaillenreihenfolge; Chess-Results führt Deutschland mit 18 Mannschaftspunkten und der Feinwertung TB2 386,5 auf Platz drei. [1][2]
Der entscheidende Punkt kam von Matthias Blübaum. Am zweiten Brett gewann er gegen Jorden van Foreest, während Vincent Keymer gegen Anish Giri, Frederik Svane gegen Loek van Wely und Rasmus Svane gegen Casper Schoppen remisierten. Damit reichte ein einziger voller deutscher Punkt zum 2,5:1,5 – und zum Sprung aufs Podest. [3][5]
Sportlich war diese Medaille mehr als ein Schlussrunden-Coup. Deutschland gewann in Samarkand neun Mannschaftskämpfe, verlor nur gegen China und Indien und schlug auf dem Weg nach oben unter anderem die USA, den späteren Olympiasieger Usbekistan sowie Frankreich. Gerade die Siege gegen Usbekistan in Runde acht und Frankreich in Runde zehn hielten die Mannschaft nach der Indien-Niederlage im Medaillenrennen. [2][3]
Für Vincent Keymer war das Turnier vor allem ein Belastungstest am Spitzenbrett. Der deutsche Spitzenspieler holte 5,5 Punkte aus 10 Partien, traf dabei unter anderem auf Fabiano Caruana, Ding Liren, Nodirbek Abdusattorov, Praggnanandhaa R, Maxime Vachier-Lagrave und Giri und kam auf eine Performance von 2734. In der Brettwertung bedeutete das Rang sechs an Brett eins. [3][4]
Der auffälligste deutsche Einzelwert gehörte jedoch Frederik Svane. Er spielte alle elf Runden, blieb ungeschlagen, erzielte 8,5 Punkte und gewann mit einer Performance von 2796 die Goldmedaille an Brett drei. Auch Rasmus Svane war mit 5,5 aus 7 ein zentraler Faktor, weil seine Punkte an den hinteren Brettern mehrere enge Kämpfe kippten. [3][4][5]
Gustafsson fasste die Leistung nach DSB-Angaben schlicht zusammen: „Ich bin auf alle stolz.“ Der Satz passt, weil die deutsche Medaille nicht nur aus Einzelglanz entstand, sondern aus Balance: Keymer hielt vorn die schwersten Gegner, Blübaum entschied den letzten Kampf, Frederik Svane lieferte Brettgold, und die hinteren Bretter sammelten die Brettpunkte. [5]
Historisch ist Bronze besonders wertvoll: Der letzte deutsche Podestplatz im offenen Olympiade-Wettbewerb lag 26 Jahre zurück; 2000 hatte Deutschland in Istanbul Silber gewonnen. Wer den finalen Mannschaftskampf nachspielen will, findet die Partien der ersten zwölf Matches der 11. Runde im Lichess-Broadcast. [7][8]
