Bodhana Sivanandan hat in Samarkand den nächsten Altersrekord im Frauenschach gesetzt. Die FIDE meldete vor der Schlussrunde der 46. Schacholympiade, dass die 11-jährige Engländerin ihre dritte und letzte WGM-Norm erreicht habe – und damit als jüngste Spielerin überhaupt die Anforderungen für den Titel Woman Grandmaster erfülle [1].
Sportlich war die Nachricht mehr als ein Randaspekt einer großen Olympiade. Sivanandan spielte für England durchgehend am ersten Brett und kam im Frauenwettbewerb auf 8 Punkte aus 11 Partien. Ihre Bilanz: sechs Siege, vier Remisen und nur eine Niederlage, bei einer Leistungszahl von 2432 und einem Elo-Plus von 27,6 Punkten [2]. England beendete das Turnier mit 15 Mannschaftspunkten auf Rang 15; in einem Feld, das laut offizieller Olympiadeseite vom 15. bis 27. September in Samarkand ausgetragen wurde, ist das auch wegen Sivanandans Brett-1-Leistung ein beachtliches Ergebnis [2][5].
Der zweite wichtige Befund steckt in der Normenliste. Chess-Results führt Sivanandan nach elf Runden mit einer neuen IM-Norm [3]. Da die FIDE-Kommission für Frauenschach bereits im Sommer ihre erste IM-Norm beim Dole Open in Frankreich dokumentiert hatte, ist Samarkand ihre zweite Norm für den offenen International-Master-Titel [7]. Das ist schachlich besonders aussagekräftig: WGM ist ein eigener FIDE-Titel, während der IM-Titel nicht geschlechtsspezifisch ist.
Noch ist bei der Wortwahl Sorgfalt geboten. In ihrem FIDE-Ratingprofil stand Sivanandan am 1. Oktober 2026 weiterhin mit den Titeln FIDE Master und Woman International Master; die neue Ratingzahl war dort mit 2382 angegeben [4]. Der Rekord betrifft also die erfüllten Titelanforderungen und die von FIDE bestätigte Normenlage, nicht zwingend bereits die aktualisierte Titelzeile in der Datenbank.
Im Gesamtbild ging die Frauen-Olympiade an China, vor Kasachstan und Indien [6]. Doch eine der individuell stärksten Geschichten kam aus dem englischen Team: Eine Elfjährige übernahm Brett eins, hielt gegen Spitzenspielerinnen stand – darunter Remisen gegen Mai Narva und Nana Dzagnidze – und gewann zum Abschluss gegen Janelle Mae Frayna [2]. Die Partien sind über den Lichess-Broadcast und die offiziellen Turnierseiten nachspielbar [5][8].

