Matthias Bluebaum hat den ersten Freestyle Friday nach der Sommerpause gewonnen. Der deutsche Großmeister erzielte am 2. Oktober auf Chess.com 9 Punkte aus 11 Runden und blieb damit einen halben Punkt vor Oleksandr Bortnyk, Pranav V und S.L. Narayanan, die jeweils auf 8,5/11 kamen [1][2]. Die offizielle Turnierseite weist 115 Teilnehmer im offenen Titled-Player-Feld aus; gespielt wurde über elf Runden im Freestyle-Format, also mit ausgeloster Grundstellung der Figuren [1][4].

Sportlich war der Sieg vor allem deshalb bemerkenswert, weil Bluebaum die Entscheidung nicht über einen Gleichstand nach Wertung suchen musste. Seine Rundenzeile ergibt sieben Siege und vier Remis, keine Niederlage [1]. Nach dem Bericht von Chess.com übernahm er in Runde sieben durch einen Sieg gegen Bortnyk die alleinige Führung, gab später gegen Hans Niemann, Pranav V und in der Schlussrunde gegen Narayanan jeweils Remis ab und hielt den Vorsprung ins Ziel [2]. Für Platz eins wurden 400 US-Dollar Preisgeld ausgewiesen; Bortnyk, Pranav und Narayanan erhielten 250, 150 beziehungsweise 100 Dollar [2].

Der Erfolg zählt in eine Qualifikationsphase, die über das einzelne Freitagsresultat hinausgeht. FIDE und Freestyle Chess hatten im August bestätigt, dass die zweite Phase der Freestyle-Friday-Championship am 2. Oktober beginnt und bis zum 4. Dezember auf Chess.com läuft; anschließend sollen die besten noch spielberechtigten Spieler aus der kombinierten Wertung in einem Knockout am 11. und 18. Dezember um einen WM-Platz spielen [3]. Freestyle Chess beschrieb vor dem Neustart ebenfalls zehn Freitage bis Dezember und ein anschließendes Finale um das Ticket nach Weissenhaus [4].

Für Bluebaum ist der Turniersieg damit kein direkter WM-Startplatz, aber ein starker Auftakt in die entscheidende Online-Etappe. Bereits fest für die Open-WM 2027 qualifiziert sind nach FIDE-Angaben unter anderem Magnus Carlsen, Fabiano Caruana, Nodirbek Abdusattorov, Vincent Keymer und Pranav Venkatesh [3]. Keymer hatte seinen Platz über Karlsruhe gesichert; Pranav gewann die erste Freestyle-Friday-Phase mit 60 Punkten [3].

Aus deutscher Sicht fügt sich Bluebaums Online-Erfolg in eine weiter dichte Spitze ein. In der Oktoberliste des Deutschen Schachbundes wird Vincent Keymer mit 2761 als deutsche Nummer eins geführt, Bluebaum folgt mit 2666 auf Rang zwei [5]. Der Freestyle-Friday-Sieg ändert daran keine klassische Elozahl, zeigt aber, dass Bluebaum auch im schnelleren, eröffnungsarmen Format gegen ein internationales Spitzenfeld konkurrenzfähig bleibt.